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Ameisen auf dem Bonsai

Ameisen auf dem Bonsai sind fast nie das eigentliche Problem. In den meisten Fällen zeigen sie nur an, dass irgendwo am Baum ein anderer Schädling sitzt und den süßen Honigtau liefert.

Ameisen auf dem Bonsai

Wenn mir jemand einen Baum bringt, der voller Ameisen ist, frage ich nie zuerst nach den Ameisen selbst. Ich frage, wonach sie suchen. Ameisen fressen keine gesunden Blätter und auch keine intakte Rinde. Wenn sie den Stamm hoch- und runterlaufen, steckt fast immer eine Nahrungsquelle dahinter. In neun von zehn Fällen ist das Honigtau, also der zuckerhaltige Abfall, den Blattläuse, Wollläuse und Schildläuse beim Saugen ausscheiden. Die Ameisen haben den Schaden nicht verursacht. Sie haben nur das Buffet gefunden.

Die Sache geht über bloßes Mitlaufen hinaus. Ameisen verteidigen ihre Honigtau-Lieferanten sogar. Sie vertreiben Marienkäfer und Florfliegenlarven, also genau die Helfer, die den Schädlingsdruck sonst klein halten würden. Ich habe schon gesehen, wie Ameisen Blattläuse auf einen frischen Austrieb tragen, wenn der alte Trieb abgefressen war. So etwas zieht eine Plage unnötig in die Länge. Die Ameisen selbst knabbern zwar nicht an deinem Baum, aber wenn man sie ignoriert, übersieht man die eigentliche Ursache.

In Deutschland und im übrigen Mitteleuropa fällt das meist vom späten Frühling bis in den Sommer auf, wenn draußen sowohl Ameisen als auch saugende Schädlinge aktiv sind. In kühleren Regionen und an Nordlagen kann sich das später zuspitzen als bei uns im Süden Italiens. Nach einem milden Winter sieht man oft früh im Jahr schon erste Kolonien, während ein kühler, nasser Sommer den Befall etwas verzögern kann. Ich sehe es auch oft an Bäumen, die eng bei anderen Pflanzen stehen oder frisch aus einer Baumschulpartie kommen. Und noch etwas, das ich von heißen, trockenen Phasen in der Sommersonne kenne, gilt auch bei euch, nur oft etwas anders getaktet: Ameisen können die lockere, gut drainierte Bonsaierde selbst als Nest nutzen. Das ist ein eigenes Problem mit eigenen Risiken für die Wurzeln.

Wahrscheinliche Ursachen

Ameisen züchten Blattläuse, Wollläuse oder Schildläuse

Woran du es erkennst: Du siehst eine ständige Ameisenstraße den Stamm hinauf und hinunter, oft mit einem Ziel in einer Astgabel oder an einer Blattbasis. Wenn du der Spur folgst, findest du meist kleine grüne oder braune Insekten am Ansatz eines Triebs, oder weiße, watteartige Nester in den Blattachseln. Oft klebt darunter auch Honigtau an den Blättern.

Die Lösung: Suche nicht nur nach den Ameisen, sondern nach dem eigentlichen Schädling und behandle genau diesen, denn Blattläuse, Wollläuse und Schildläuse brauchen jeweils etwas andere Maßnahmen. Die Ameisen verschwinden von selbst, wenn die Nahrungsquelle weg ist, aber nur dann, wenn du den Befall gründlich beseitigst. Eine halbe Maßnahme reicht nicht. Gerade im mitteleuropäischen Sommer lohnt sich eine Nachkontrolle nach ein bis zwei Wochen, weil sich auf dem nächsten Austrieb schnell wieder etwas zeigen kann.

Ameisen nisten im Topf

Woran du es erkennst: An den Blättern ist kein sichtbarer Schädling zu finden, aber im Substrat selbst wohnen Ameisen. Manchmal tragen sie Erde herum oder es liegen kleine Haufen nahe der Drainagelöcher. Das Substrat wirkt stellenweise gestört oder trocknet ungewöhnlich schnell ab, obwohl du normal gießt. In den luftigen Bonsaigemischen fühlen sich Ameisen deutlich wohler als in dichter Gartenerde.

Die Lösung: Stelle den Topf für zehn bis fünfzehn Minuten in ein Wasserbad. So werden die Gänge geflutet, und die Kolonie zieht oft ab. Wenn das nicht reicht, hilft ein Ameisenköder in der Nähe des Topfes, nicht direkt in der Erde. Der langsam wirkende Köder wird ins Nest getragen und erwischt die Königin, nicht nur die Arbeiterinnen, die du gerade siehst. Das Tunneln selbst schadet einem gesunden Wurzelballen meist nicht direkt, aber dauerndes Graben kann feine Oberflächenwurzeln stören und das Substrat schneller austrocknen lassen, als man denkt.

Ameisen ziehen wegen Wetterwechsel um

Woran du es erkennst: Plötzlich sind auf mehreren Töpfen gleichzeitig Ameisen unterwegs, nicht nur auf einem Baum. Das passiert oft nach starkem Regen oder während einer ungewöhnlich warmen, trockenen Phase. Bei genauer Kontrolle findest du keinen Schädling, und die Ameisen wirken eher wie Durchreisende als wie ein festes Nest.

Die Lösung: Das ist oft vorübergehend und braucht zunächst keine Behandlung außer etwas Geduld. Kolonien ziehen aus ihren eigenen Gründen um. Ein Bonsai-Regal mit trockenen, geschützten Töpfen ist bei nassem Wetter für sie attraktiv. Beruhigt sich das Ganze nach etwa einer Woche nicht, oder siehst du in einem bestimmten Topf doch Erde, die aufgewühlt wird, behandle es wie ein Nestproblem und gehe mit Wasserbad und Köder vor.

So beugst du vor

Ameisen gehören zu den nützlichsten Frühwarnzeichen am Bonsai. Ich sehe jede Ameisenspur als Anlass, den Baum gründlich zu prüfen, nicht als etwas, das man einfach wegspült. Schau in jede Blattachsel, jede Astgabel und unter die tiefer sitzenden Zweige, sobald du Ameisen bemerkst. Blattläuse, Wollläuse und Schildläuse sind oft so klein, dass man sie ohne gezieltes Suchen übersieht. Halte den Bereich um die Bänke sauber. Keine heruntergefallenen Früchte, kein verschütteter Zuckerdünger, keine anderen lockenden Reste. Stell die Töpfe nicht direkt aneinander, damit Ameisen nicht bequem von einem Baum zum nächsten wechseln können. Wenn du weißt, dass in einer Ecke des Gartens schon ein Ameisennest sitzt, helfen Topffüße oder eine leichte Erhöhung des Topfes dabei, es ihnen etwas schwerer zu machen, im Substrat Fuß zu fassen.

Häufige Fragen

Soll ich die Ameisen direkt spritzen?

Meistens löst das nichts. Du erwischst nur die Arbeiterinnen, die du gerade siehst, während Nest und Königin ungestört weiterlaufen. Sinnvoller ist es, den Schädling zu finden, den sie betreuen, oder das Nest selbst zu bekämpfen, wenn sie im Topf sitzen.

Schaden Ameisen den Bonsai-Wurzeln?

Direkt meist nicht. Wenn sie im Topf nisten, suchen sie Schutz und trockenen Boden, nicht Wurzelgewebe. Dauerndes Graben nahe der Oberfläche kann aber feine Wurzeln stören und das Substrat schneller austrocknen lassen. Das ist vor allem bei ohnehin gestressten Bäumen wichtig.

Warum sehe ich Ameisen nur an einem Baum in meiner Sammlung?

Das ist meist ein ziemlich klarer Hinweis, dass nur dieser Baum den Schädling hat, den die Ameisen ausnutzen. Prüfe ihn zuerst genau. Die übrigen Bäume würde ich trotzdem kurz mit ansehen, denn Blattläuse und Schildläuse können sich durchaus ausbreiten.

Können Ameisen Rinde oder Stamm schädigen?

An einem gesunden Baum normalerweise nicht. Die Ameisen benutzen den Stamm als Weg zwischen Nest und Futterquelle, und das Laufen über die Rinde verursacht für sich allein keinen Schaden. Wenn du zusammen mit Ameisenfraß oder Rindenproblemen etwas siehst, steckt fast immer etwas anderes dahinter, meist der saugende Schädling.

Wie unterscheide ich ein Ameisennest im Topf von Wurzelfäule?

Ein Ameisennest zeigt eher trockene, locker gestörte Erde, sichtbare Gänge oder kleine Haufen an den Drainagelöchern. Der Baum wirkt dabei oft noch ganz normal. Wurzelfäule sieht anders aus: nasses oder faulig riechendes Substrat, dunkle, matschige Wurzeln beim Nachsehen und ein Baum, der trotz allem weiter abbaut. Wenn du unsicher bist, die Wurzeln direkt und vorsichtig prüfen, statt nur von der Oberfläche aus zu raten.

Schadet Ameisenköder meinem Bonsai?

Ein Köder in der Nähe des Topfes ist in der Regel sicherer für den Baum als ein Mittel, das direkt ins Substrat gemischt wird. Er ist dafür gemacht, von den Ameisen getragen zu werden, nicht von den Wurzeln aufgenommen zu werden. Ich halte Köder trotzdem weg von Stamm und Laub und streue keine Granulate direkt über das Substrat. Das trifft eher den Baum als die Ameisen.

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