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Wollläuse am Bonsai

Weiße, watteartige Büschel in Blattachseln und Astgabeln sind fast immer Wollläuse. Sie sitzen gern genau dort, wo man am Baum am schlechtesten hinschaut.

Wollläuse am Bonsai

Ich sehe Wollläuse besonders oft an Bonsai, die über den Winter ins Haus geholt wurden, oder an Bäumen, die gerade erst aus der Baumschule kommen. Die Tiere selbst sind klein und weich. Was man zuerst sieht, ist meist ihre wachsige, watteähnliche Hülle.

Sie verstecken sich in den engen Stellen des Baums. Blattachseln, Astgabeln, die Unterseite eines tiefen Zweigs, der Übergang vom Ast zum Stamm. Eine leichte Kolonie kann dort wochenlang sitzen, ohne dass es sofort auffällt. Genau deshalb schaue ich diese Stellen bei jedem Kontrollgang an. Nicht erst dann, wenn der Baum schon schwächelt.

Wollläuse saugen Pflanzensaft. Bleibt der Befall länger bestehen, wird der Baum spürbar schwächer. Er wächst langsamer, reagiert schlechter auf andere Belastungen, und in schlimmen Fällen sterben befallene Zweige zurück. Früh erwischt, sind sie aber gut beherrschbar. Das ist die gute Nachricht.

Wahrscheinliche Ursachen

Wolllaus-Befall

Woran du es erkennst: Weiße, watteartige Flusen in Blattachseln, Astgabeln und entlang der Triebe, manchmal mit feinem, fädigem Eindruck. Wenn man genauer hinschaut, sitzen unter der Hülle die eigentlichen Tiere, oval und weich, nur wenige Millimeter lang.

Die Lösung: Bei leichtem Befall tupfe ich jede sichtbare Kolonie mit einem Wattestäbchen ab, das in 70-prozentigen oder schwächerem Isopropylalkohol getaucht ist. Das löst die Wachsschicht und tötet die Tiere direkt ab. Ich teste das vorher an einer kleinen, verdeckten Stelle und warte einen Tag, bevor ich großflächiger arbeite, weil Alkohol empfindliches Laub schädigen kann, wenn man zu viel davon nimmt. Den ganzen Baum würde ich nicht damit fluten oder besprühen. Bei Arten, die empfindlich reagieren, kann man nach dem Tupfen vorsichtig nachspülen oder den Alkohol noch weiter verdünnen. Danach behandle ich den gesamten Baum mit Neemöl oder Insektizidseife. Wichtig ist, dass auch Blattunterseiten und jede Astgabel wirklich erreicht werden, denn diese Mittel wirken nur, solange sie direkt auf den Schädling treffen. Nach Packungsangabe wiederholen, oft alle 7 bis 14 Tage, insgesamt 2 bis 4 Durchgänge. Einmal reicht meistens nicht, weil Eier oder gerade geschlüpfte Tiere sonst übrig bleiben. In mitteleuropäischen Wohnungen und Winterquartieren setze ich mit solchen Kontrollen oft schon im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr an, weil die trockene Heizungsluft den Befall nicht verhindert, aber die Pflanzen in dieser Zeit oft ohnehin enger zusammenstehen.

Ameisen, die die Wollläuse schützen

Woran du es erkennst: Eine Ameisenstraße am Stamm auf und ab, meist direkt zu den Wolllausnestern hin. Die Ameisen verursachen den Befall nicht, aber sie verteidigen ihn. Sie holen sich den süßen Honigtau, den die Wollläuse ausscheiden.

Die Lösung: Ich behandle die Ameisen immer mit, sonst bleiben sie an der Kolonie hängen, verteidigen sie gegen natürliche Gegenspieler und tragen die Läuse sogar an andere Stellen des Baums. Eine Klebefalle oder ein Sperrband hilft oft gut. Den Kleber selbst nie direkt auf die Bonsairinde geben, das schadet dem Baum. Ich lege zuerst ein Band aus Tape oder Stoff um Stamm oder Topfrand und trage den Klebstoff darauf auf. Man kann ihn auch auf den Topf oder auf die Stellfläche unter dem Baum setzen, statt direkt an den Baum. Außerdem schneide ich Verbindungen weg, über die Ameisen ausweichen könnten, also Blätter, tiefe Zweige oder Nachbaräste, die einen Nachbartopf oder die Bank berühren. Gerade draußen im deutschen Sommer ist das wichtig, weil Ameisen zwischen eng stehenden Töpfen sehr schnell Brücken finden.

Klebriger Honigtau und Rußtau

Woran du es erkennst: Ein leicht klebriger Film auf Blättern, Zweigen oder auf der Fläche unter dem Baum. Mit der Zeit kann daraus ein dunkler, rußig wirkender Belag werden.

Die Lösung: Wenn die Wollläuse unter Kontrolle sind, wische ich den Honigtau mit einem feuchten Tuch oder einer sehr milden Seifenlösung ab. Der Rußtau selbst ist kein Parasit am Baum. Er lebt von dem zuckerhaltigen Film. Verschwindet der Honigtau, verschwindet auch das Problem mit ihm. Nach einem Befall im Freien kann Regen einiges wegwaschen, aber ich verlasse mich darauf nicht. Den Rest muss man trotzdem sauber abnehmen, besonders in der Krone und an den Zweigen.

So beugst du vor

Wollläuse kommen sehr oft mit neuem Material ins Haus. Darum prüfe ich jeden neu gekauften Baum genau, bevor er zu den anderen kommt, besonders Blattachseln und Astgabeln. Wenn es irgendwie geht, stelle ich ihn für eine kurze Quarantäne separat. Bei meinen etablierten Bäumen reicht oft schon ein wöchentlicher Blick in diese Verstecke während der Wachstumszeit, um einen Befall zu erwischen, solange es noch nur ein paar Tiere sind. In Deutschland würde ich das nicht nur im Hochsommer tun. Auch im Frühling nach dem Austrieb und im Herbst, wenn die Pflanzen wieder ins Quartier wechseln, lohnt sich die Kontrolle besonders.

Häufige Fragen

Sind Wollläuse gefährlich für meinen Bonsai?

Wenn man sie laufen lässt, ja. Ein starker, länger anhaltender Befall schwächt den Baum durch den Saftentzug und kann schließlich zu Absterben an den befallenen Zweigen führen. Früh erkannt sind sie aber gut zu behandeln und für sich genommen selten tödlich.

Reicht eine Behandlung aus?

Meistens nicht. Die Eier sind in der wachsigen Hülle geschützt und überstehen eine einzelne Behandlung. Deshalb plane ich Wiederholungen nach Packungsangabe ein, oft alle 7 bis 14 Tage und insgesamt 2 bis 4 Runden, bis keine neuen Nester mehr auftauchen.

Können Wollläuse auf andere Bonsai übergehen?

Ja, sehr leicht. Vor allem dann, wenn die Bäume eng stehen oder aus demselben Gießrhythmus kommen. Einen befallenen Baum würde ich während der Behandlung getrennt stellen und die Nachbarbäume gleich mit ansehen, statt anzunehmen, dass sie schon sauber sind.

Ist Isopropylalkohol direkt auf dem Baum sicher?

Sparsam verwendet, also nur punktuell mit dem Wattestäbchen auf einzelne Kolonien getupft, ist 70-prozentiger oder schwächerer Isopropylalkohol eine übliche Behandlung und meist gut verträglich. Ich teste ihn vorher an einer kleinen, verdeckten Stelle, tränke den ganzen Baum damit nicht und gehe bei jungem, weichem Austrieb besonders vorsichtig vor.

Leben Wollläuse auch im Boden?

Es gibt verwandte Arten an den Wurzeln, und Wurzelwollläuse sind im Bonsaitopf möglich, auch wenn sie nicht das Erste sind, was man sieht. Die meisten Befälle, die man tatsächlich bemerkt, sitzen an Trieben und Laub. Wenn der sichtbare Befall sauber behandelt wurde, der Baum aber weiter schwächelt, oder wenn man einen wachsigen Belag im Substrat sieht, sollte man die Wurzeln getrennt prüfen und nicht automatisch vom selben Problem ausgehen.

Kann ich statt Punktbehandlungen ein systemisches Insektizid benutzen?

Ein systemisches Mittel, das über das Gießwasser aufgenommen wird, kann bei hartnäckigem oder starkem Befall gut helfen. Es erreicht auch Tiere, die man nicht gut sieht. Ich würde aber nur ein Produkt nehmen, das für die jeweilige Pflanze und den Einsatzort zugelassen ist, die Packungsangaben genau einhalten und es nicht dort verwenden, wo Bestäuber an Blüten kommen oder wo Abfluss ins Wasser möglich ist. Bei einem leichten Befall an einem Baum, den ich aktiv beobachten will, bevorzuge ich trotzdem Punktbehandlung und Neem. Damit bleibe ich näher am Baum und muss danach weniger vorsichtig mit Schnittgut und Handhabung sein.

Woran merke ich, dass die Wollläuse wirklich weg sind?

Ich kontrolliere die gleichen Verstecke auch nach der letzten sichtbaren Kolonie noch wöchentlich weiter. Ein paar Nachzügler oder ein später Schlupf gehen sonst leicht unter. Als sauber gilt ein Baum für mich erst dann, wenn ich drei oder vier Kontrollen hintereinander nichts Neues finde, nicht schon nach einem einzigen unauffälligen Blick.

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