Kleine braune Höcker an Ästen und Zweigen
Harte, wachsige Buckel, die fest an Zweigen und Stämmen sitzen und sich nicht einfach abreiben lassen, sind bei Bonsai meist Schildläuse. Das ist einer der zähen Schädlinge, die sich lange unbemerkt halten können.

Schildläuse sind leicht zu übersehen. Anders als Blattläuse oder Spinnmilben laufen sie nicht weg, sobald sie sich festgesetzt haben. Die wachsige Hülle darüber sieht oft aus wie eine kleine Unebenheit in der Rinde oder wie getrockneter Pflanzensaft. Viele merken erst spät, dass da nicht die Rinde krank ist, sondern ein ganzer Trupp still am Saugen sitzt. Ich habe schon oft Bäume in der Hand gehabt, bei denen der Besitzer sicher war, es sei ein Rindenproblem. In Wirklichkeit war es nur Schildlaus.
Bei uns in Deutschland und im übrigen Mitteleuropa finde ich Schildläuse besonders oft an Bäumen, die längere Zeit geschützt und wenig bewegt standen. Ein kühles Winterquartier, ein Gewächshauseck, ein Regalplatz mit wenig Luftbewegung, das sind typische Orte. Auf Juniperus, Kiefern und Ahorn sehe ich sie häufig, aber auch an Granatapfel und Olive kommen sie vor. Neuzugänge sind ein klassischer Einschleppungsweg. Wer einen Baum über mehrere Stationen gekauft hat, hat auch mehrere Chancen, sie mitzubringen.
Ein paar einzelne Höcker sind noch kein Drama. Drei, vier Stück an einem sonst kräftigen Ast machen mich nicht nervös. Problematisch wird es mit der Zeit. Dann wandert die Kolonie weiter den Ast entlang und auf benachbarte Triebe. Jede Laus saugt dabei weiter Saft. Bei starkem Befall sehe ich schwächeres Laub, abgestorbene Partien an befallenen Zweigen und, bei weichen Schildläusen, oft auch klebrigen Honigtau. Darauf setzt sich dann Rußtau. Das geht langsam. Genau deshalb wird es so oft zu spät bemerkt.
1. Schildlausbefall
Tell: Kleine, unbewegliche braune oder graue Höcker, die flach auf Zweigen und Trieben sitzen, oft in Reihen entlang von Rindenkanten oder dort, wo sich der erste Befall angesiedelt hat. Wenn ich mit dem Fingernagel darüber kratze, lässt sich so ein Buckel mit etwas Widerstand ablösen. Darunter kommt ein weiches, helles Tier zum Vorschein, nicht Rinde. Das ist der sichere Unterschied zu einer natürlichen Rindenstruktur oder einer Lentizelle. Manchmal sieht man unter starkem Befall einen feinen klebrigen Glanz am Ast darunter. Das ist Honigtau. Dann denke ich an weiche Schildläuse oder an einen anderen saugenden Schädling wie Blattläuse oder Wollläuse, denn gepanzerte Schildläuse machen normalerweise keinen Honigtau.
Fix: Zuerst so viel wie möglich von Hand abstreifen. Ich nehme dafür gern eine weiche Bürste oder eine alte Zahnbürste und arbeite sie an den Zweigen entlang, bevor ich überhaupt sprühe. Danach kommt Gartenbauöl zum Einsatz. Es muss gründlich genug aufgetragen werden, damit es die Äste und die wachsige Hülle benetzt und die Tiere erstickt, statt nur über sie hinwegzulaufen. Wiederholen Sie die Behandlung nach Etikett, meist genau dann, wenn die Jungtiere, die sogenannten Crawler, unterwegs sind. Kontrollieren Sie wöchentlich, denn ein einziger Durchgang erwischt fast nie alles, und die Hülle schützt auch die Eier. Halten Sie sich bei Menge und Timing strikt an das Etikett. Öle nicht bei Frost, starker Hitze oder Trockenstress anwenden. Gerade bei geschwächten Bäumen kann das sonst Schaden machen. Juniperus, rote und japanische Ahorne sowie blau bereifte Koniferen reagieren empfindlich, besonders die blau bereiften. Das Öl kann den Wachsüberzug abwaschen, der ihre Farbe macht. Ich teste deshalb bei solchen Pflanzen immer erst an einer kleinen Stelle, bevor ich den ganzen Baum behandle. Bei stark verkrusteten Ästen geht es darum, jede Rindentasche und Astgabel zu benetzen, ohne dass das Mittel einfach abläuft. Das ist eine Frage guter Abdeckung, nicht ein Grund, mehr als auf dem Etikett steht zu nehmen.
2. Schwacher oder gestresster Baum
Tell: Die Schildläuse sitzen auf einem Baum, der schon vorher Probleme hatte. Das kann an zu wenig Licht liegen, an unregelmäßigem Gießen, an einem frischen Umtopfen oder an Wurzelschäden, die noch nicht ausgestanden sind. Zufall ist das selten. Kräftige, gut wachsende Bäume wehren sich besser und sind für den Schädling einfach kein so dankbarer Wirt.
Fix: Schildläuse behandeln und gleichzeitig die Ursache des Stresses beheben. Nur den Schädling wegzumachen, ohne die Schwäche des Baums anzugehen, heißt meist nur: der nächste Befall kommt bald. Wasser und Licht müssen zuerst stimmen, bevor man mit Dünger drückt. Einen gestressten Baum stark zu füttern kann mehr schaden als helfen. Wenn der Baum wieder gleichmäßig neuen Austrieb macht, ist er auch deutlich weniger anfällig für eine Wiederholung.
3. Das Crawler-Stadium und die Ausbreitung
Tell: Wenn man früh genug hinschaut, sieht man manchmal winzige, helle, langsam krabbelnde Pünktchen nahe einer bestehenden Kolonie, noch bevor die harten Höcker da sind. Das ist das Crawler-Stadium. Direkt nach dem Schlüpfen können die Jungtiere noch laufen. Danach suchen sie sich einen Platz auf der Rinde, setzen sich fest und bauen die schützende Wachs- oder Schildstruktur. Genau deshalb sind sie danach so schwer zu erwischen. Auf diese Weise verteilt sich Schildlaus auch: Crawler wandern auf einen neuen Ast, bleiben an Werkzeugen hängen oder werden von Ameisen mitgenommen. Ameisen „pflegen“ sie wegen des Honigtaus, ähnlich wie bei Wollläusen.
Fix: Das Crawler-Stadium ist das beste Behandlungsfenster. Dann erreichen Kontaktmittel oder ein systemisches Mittel die Tiere, bevor die Hülle fertig ist. Gartenbauöl wirkt in dieser Phase deutlich besser als auf eine schon gepanzerte Kolonie. Systemische Mittel sind aber kein Allheilmittel. Ihre Wirkung hängt von der Schildlausart ab. Gepanzerte Schildläuse sind systemisch meist schwieriger zu kontrollieren als weiche Schildläuse, weil sie anders am Pflanzengewebe saugen. Wenn Sie ein systemisches Mittel einsetzen, nehmen Sie nur eines, das für die Baumart und die konkrete Schildlausart zugelassen ist, und halten Sie sich an Menge, Zeitpunkt und Hinweise zum Schutz von Bestäubern, besonders bei blühenden Bäumen. Wenn Sie Bäume bewegen oder Werkzeuge zwischen einem befallenen und einem gesunden Baum teilen, reinigen Sie die Werkzeuge gründlich und stellen Sie den befallenen Baum vorübergehend etwas abseits. Crawler reisen leichter mit, als viele denken.
Wahrscheinliche Ursachen
Schildlausbefall
Woran du es erkennst: Kleine, unbewegliche braune oder graue Höcker, die flach auf Zweigen und Trieben sitzen, oft in Reihen entlang von Rindenkanten oder dort, wo sich der erste Befall angesiedelt hat. Wenn ich mit dem Fingernagel darüber kratze, lässt sich so ein Buckel mit etwas Widerstand ablösen. Darunter kommt ein weiches, helles Tier zum Vorschein, nicht Rinde. Das ist der sichere Unterschied zu einer natürlichen Rindenstruktur oder einer Lentizelle. Manchmal sieht man unter starkem Befall einen feinen klebrigen Glanz am Ast darunter. Das ist Honigtau. Dann denke ich an weiche Schildläuse oder an einen anderen saugenden Schädling wie Blattläuse oder Wollläuse, denn gepanzerte Schildläuse machen normalerweise keinen Honigtau.
Die Lösung: Zuerst so viel wie möglich von Hand abstreifen. Ich nehme dafür gern eine weiche Bürste oder eine alte Zahnbürste und arbeite sie an den Zweigen entlang, bevor ich überhaupt sprühe. Danach kommt Gartenbauöl zum Einsatz. Es muss gründlich genug aufgetragen werden, damit es die Äste und die wachsige Hülle benetzt und die Tiere erstickt, statt nur über sie hinwegzulaufen. Wiederholen Sie die Behandlung nach Etikett, meist genau dann, wenn die Jungtiere, die sogenannten Crawler, unterwegs sind. Kontrollieren Sie wöchentlich, denn ein einziger Durchgang erwischt fast nie alles, und die Hülle schützt auch die Eier. Halten Sie sich bei Menge und Timing strikt an das Etikett. Öle nicht bei Frost, starker Hitze oder Trockenstress anwenden. Gerade bei geschwächten Bäumen kann das sonst Schaden machen. Juniperus, rote und japanische Ahorne sowie blau bereifte Koniferen reagieren empfindlich, besonders die blau bereiften. Das Öl kann den Wachsüberzug abwaschen, der ihre Farbe macht. Ich teste deshalb bei solchen Pflanzen immer erst an einer kleinen Stelle, bevor ich den ganzen Baum behandle. Bei stark verkrusteten Ästen geht es darum, jede Rindentasche und Astgabel zu benetzen, ohne dass das Mittel einfach abläuft. Das ist eine Frage guter Abdeckung, nicht ein Grund, mehr als auf dem Etikett steht zu nehmen.
Schwacher oder gestresster Baum
Woran du es erkennst: Die Schildläuse sitzen auf einem Baum, der schon vorher Probleme hatte. Das kann an zu wenig Licht liegen, an unregelmäßigem Gießen, an einem frischen Umtopfen oder an Wurzelschäden liegen, die noch nicht ausgestanden sind. Zufall ist das selten. Kräftige, gut wachsende Bäume wehren sich besser und sind für den Schädling einfach kein so dankbarer Wirt.
Die Lösung: Schildläuse behandeln und gleichzeitig die Ursache des Stresses beheben. Nur den Schädling wegzumachen, ohne die Schwäche des Baums anzugehen, heißt meist nur: der nächste Befall kommt bald. Wasser und Licht müssen zuerst stimmen, bevor man mit Dünger drückt. Einen gestressten Baum stark zu füttern kann mehr schaden als helfen. Wenn der Baum wieder gleichmäßig neuen Austrieb macht, ist er auch deutlich weniger anfällig für eine Wiederholung.
Das Crawler-Stadium und die Ausbreitung
Woran du es erkennst: Wenn man früh genug hinschaut, sieht man manchmal winzige, helle, langsam krabbelnde Pünktchen nahe einer bestehenden Kolonie, noch bevor die harten Höcker da sind. Das ist das Crawler-Stadium. Direkt nach dem Schlüpfen können die Jungtiere noch laufen. Danach suchen sie sich einen Platz auf der Rinde, setzen sich fest und bauen die schützende Wachs- oder Schildstruktur. Genau deshalb sind sie danach so schwer zu erwischen. Auf diese Weise verteilt sich Schildlaus auch: Crawler wandern auf einen neuen Ast, bleiben an Werkzeugen hängen oder werden von Ameisen mitgenommen. Ameisen „pflegen“ sie wegen des Honigtaus, ähnlich wie bei Wollläusen.
Die Lösung: Das Crawler-Stadium ist das beste Behandlungsfenster. Dann erreichen Kontaktmittel oder ein systemisches Mittel die Tiere, bevor die Hülle fertig ist. Gartenbauöl wirkt in dieser Phase deutlich besser als auf eine schon gepanzerte Kolonie. Systemische Mittel sind aber kein Allheilmittel. Ihre Wirkung hängt von der Schildlausart ab. Gepanzerte Schildläuse sind systemisch meist schwieriger zu kontrollieren als weiche Schildläuse, weil sie anders am Pflanzengewebe saugen. Wenn Sie ein systemisches Mittel einsetzen, nehmen Sie nur eines, das für die Baumart und die konkrete Schildlausart zugelassen ist, und halten Sie sich an Menge, Zeitpunkt und Hinweise zum Schutz von Bestäubern, besonders bei blühenden Bäumen. Wenn Sie Bäume bewegen oder Werkzeuge zwischen einem befallenen und einem gesunden Baum teilen, reinigen Sie die Werkzeuge gründlich und stellen Sie den befallenen Baum vorübergehend etwas abseits. Crawler reisen leichter mit, als viele denken.
So beugst du vor
Schildläuse übersieht man leicht, bis sich eine Kolonie festgesetzt hat. Deshalb schaue ich mir in der Wachstumszeit jeden Ast immer wieder mit den Fingern und den Augen an, nicht erst dann, wenn der Baum schon schlecht aussieht. Achten Sie besonders auf die Unterseite waagerechter Äste und auf Astgabeln am Stamm. Dort sitzen sie gern, weil sie dort vor Regen und direkter Sonne geschützt sind. Bei Neuware bin ich noch strenger. Vor allem Neuzugänge sollten gründlich kontrolliert werden, bevor sie zu den anderen Bonsai kommen. Wenn Sie sie ein paar Wochen separat stellen können, umso besser. In dieser Zeit sieht man Befall oft noch, bevor er sich verteilt. Und ein Baum, der über die Saison gleichmäßig Wasser und genug Licht bekommt, ist ohnehin schwerer zu befallen. Gute Grundpflege ist also auch Schädlingsvorbeugung.
Häufige Fragen
Warum wirkt normales Insektenspray gegen Schildläuse oft nicht?
Ausgewachsene Schildläuse sitzen unter einer harten oder wachsigen Hülle, die die meisten Kontaktmittel nicht durchdringen. Ein normales Insektizid erwischt dann oft nur die Crawler, die gerade offen unterwegs sind. Gartenbauöl wirkt anders. Es erstickt den Schädling statt ihn nur von außen zu treffen. Darum ist es meist die verlässlichere Wahl, besonders wenn man es während des Crawler-Stadiums einsetzt, bevor der Schutzschild hart ist.
Kann Schildlaus einen Bonsai töten?
Ein leichter Befall an einem sonst kräftigen Baum tut das meist nicht. Ein starker, lang anhaltender Befall kann aber sehr wohl tödlich enden, vor allem wenn der Baum schon durch wenig Licht oder falsches Gießen geschwächt ist. Der Saftverlust zehrt langsam an der Kraft des Baums. Ich habe schon vernachlässigte Fälle gesehen, bei denen ganze Äste abgestorben sind, bevor der Besitzer verstanden hat, was los war.
Worin liegt der Unterschied zwischen weicher und gepanzerter Schildlaus?
Weiche Schildlaus hat eine dünne, wachsige Hülle, die mit dem Körper verbunden ist, und sie macht den klebrigen Honigtau, auf dem sich Rußtau ansiedelt. Gepanzerte Schildlaus baut sich eine härtere, getrennte Schale darüber und scheidet keinen Honigtau aus. Für die Diagnose ist das wichtig, weil ein klebriger Belag eher auf weiche Schildlaus hinweist, während ein trockener, krustiger Höcker ohne Klebrigkeit eher gepanzert ist.
Woran erkenne ich nach der Behandlung, ob die Schildläuse tot sind?
Kratzen Sie mit dem Fingernagel einige alte Schilde ab. Eine tote Schildlaus ist meist trocken, spröde und innen leer. Eine lebende hat innen noch diesen weichen, hellen Körper. Alte tote Schilde können noch wochenlang an der Rinde hängen bleiben. Deshalb sagt das Aussehen allein wenig aus. Wichtig ist, ob immer wieder neue auftauchen.
Kann Schildlaus auf andere Bäume übergehen?
Ja, vor allem im Crawler-Stadium. Dann können die Jungtiere selbst laufen, vom Wind mitgenommen werden oder an Werkzeugen, Händen oder an Ameisen hängen bleiben, die wegen des Honigtaus an der Kolonie arbeiten. Stellen Sie einen befallenen Baum während der Behandlung etwas getrennt von den anderen auf und kontrollieren Sie die Nachbarbäume gründlich. Gehen Sie nicht einfach davon aus, dass sie sauber sind.
Wann im Jahr behandelt man Schildlaus am besten am Bonsai?
Im Spätwinter kann ein Öl gegen überwinternde Nymphen oder adulte Tiere auf der Rinde gut wirken, wenn der Baum noch keine empfindlichen frischen Blätter trägt. Das ist aber kein universeller Kniff. Arten, die als Eier überwintern, reagieren auf eine Winterbehandlung oft kaum. Deshalb hilft es, wenn man weiß, in welchem Stadium die jeweilige Schildlaus den Winter verbringt, bevor man Dormantöl als Hauptstrategie plant. In der Wachstumszeit ist der beste Zeitpunkt meist kurz nachdem man die ersten hellen Crawler nahe einer bestehenden Kolonie entdeckt hat. Dann erwischt man sie, bevor die Schutzhülle entsteht. Für deutsche und mitteleuropäische Bedingungen heißt das oft: nicht zu früh im noch kalten Spätwinter auf gut Glück behandeln, sondern auf einen wirklich frostfreien Tag warten und im Frühjahr sowie Frühsommer besonders aufmerksam bleiben, wenn die Tiere aktiv werden.
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