WeBonsai
Alle Symptome

Blattläuse an frischen Bonsai-Trieben

Ansammlungen kleiner, weichhäutiger Insekten an jungen, zarten Trieben sind bei Bonsai fast immer Blattläuse. Ich achte dabei zuerst auf die birnenförmigen Tiere selbst, auf klebrigen Honigtau und darauf, dass keine feinen Gespinste da sind.

Blattläuse an frischen Bonsai-Trieben

Blattläuse gehen immer dahin, wo sie am leichtesten saugen können. Beim Bonsai ist das meist der frische Austrieb: die weiche Triebspitze, die Blattunterseite, solange sie noch nicht ausgehärtet ist, oder der kurze Stammabschnitt direkt unter einer sich öffnenden Knospe. Ihre Mundwerkzeuge sind zum Stechen und Saugen gebaut. An hartem, älterem Gewebe müssen sie sich mehr anstrengen, auch wenn sie sich bei passenden Bedingungen durchaus auf älteren Trieben, an Knospen und manchmal sogar an Wurzeln finden lassen. Weiches, saftreiches Neugewebe ist für sie schlicht am bequemsten.

Der Schaden wirkt anfangs oft harmlos, und genau das macht die Sache tückisch. Ein paar Blattläuse an der Spitze bremsen den Baum nicht sofort aus, aber sie verformen das Wachstum. Blätter kommen gekräuselt, gewölbt oder leicht verdreht, weil das Gewebe noch im Aufbau war, als die Tiere daran gesaugt haben. Ist das Blatt erst einmal ausgehärtet, richtet es sich nicht mehr von selbst. Bleibt der Befall länger stehen, bleibt auch Honigtau zurück. Das ist ein klebriger Belag auf den darunterliegenden Blättern. Später setzt sich darauf gern Rußtau. Das ist eher ein Pflegeproblem als eine direkte Gefahr, aber der Baum sieht schnell ungepflegt aus, selbst wenn die Blattläuse längst weg sind.

In Süditalien sehe ich das oft im Frühjahr an der ersten starken Austriebswelle und nach kräftigem Rückschnitt, wenn der Baum als Ausgleich noch einmal weiches Neuwachstum schiebt. Für deutsche Bedingungen verschiebt sich dieser Schwerpunkt meist etwas. Bei euch zieht sich der Start in die Saison länger hin, und die entscheidende Phase liegt oft vom späten Frühjahr bis in den Frühsommer. In kühleren Regionen kommen auch weitere, kleinere Austriebswellen später im Sommer dazu. Genau dann lohnt der Blick. Ich schaue immer zuerst dort hin, wo das Wachstum dem Rest des Baums voraus ist. Das gilt umso mehr bei Pflanzen, die geschützt, frostfrei oder in einem sehr warmen Winterquartier überwintert haben und deshalb früher austreiben als die Bäume draußen.

Wahrscheinliche Ursachen

Blattlauskolonie

Woran du es erkennst: Grüne, schwarze oder braune Insekten sitzen dicht gedrängt an jungen Trieben und an der Unterseite junger Blätter, oft so eng, dass der Trieb selbst kaum noch zu sehen ist. Meist findet man auch klebrigen Honigtau in der Nähe. Das neue Wachstum kann schon beginnen, sich zu kräuseln oder leicht zu verziehen, wo am stärksten gesaugt wurde.

Die Lösung: Ich beginne mit einem kräftigen Wasserstrahl direkt auf die Kolonien. Das ist simpel, aber es spült erstaunlich viele Tiere ab und verschafft Zeit, bevor man überhaupt sprüht. Danach behandle ich gezielt mit Kaliseife oder Neemöl, vor allem dort, wo die Blattläuse sitzen, also im frischen Neuaustrieb, nicht pauschal den ganzen Baum. Vorher immer an einer kleinen Stelle testen und am nächsten Tag auf Blattschäden prüfen. Nicht in voller Sonne sprühen, nicht bei großer Hitze und nicht an ohnehin gestressten Bäumen. Seife und Öl können sonst die Blätter schädigen. Blattläuse vermehren sich bei warmem Wetter sehr schnell, oft ohne Paarung, indem sie lebende Junge setzen. Eine einzige Behandlung reicht deshalb selten. Ich plane meist Wiederholungen im Abstand von fünf bis sieben Tagen und kontrolliere auch geflügelte Tiere. Die tauchen auf, wenn eine Kolonie zu eng wird und sich auf andere Triebe oder andere Bäume ausbreitet.

Zu viel Stickstoff

Woran du es erkennst: Der Befall sitzt oft genau an den Trieben, die nach einer starken Düngung ungewöhnlich weich und schnell gewachsen sind. Der Internodienabstand ist länger als sonst, das Gewebe fühlt sich weich statt fest an, und genau so etwas lässt sich von Blattläusen besonders leicht besiedeln.

Die Lösung: Ich fahre mit stark stickstoffbetontem Dünger zurück, mindestens solange der aktuelle Austrieb noch weich ist. Üppiges, rasches Wachstum ist bequem für den Baum, aber es hat dünne Zellwände und viel Saft. Genau das mögen saugende Schädlinge. Mir ist ein etwas langsamerer Austrieb mit ausgewogener Düngung lieber, als jedes Mal eine Blattlauskolonie zu fördern, nur weil ich Wachstum erzwingen will. Gerade in Deutschland ist das oft sogar der vernünftigere Weg, weil die Saison zwar später startet, der kräftige Sommerzuwachs aber nicht durch unnötig weiches Gewebe erkauft werden sollte.

Ameisen, die Blattläuse pflegen

Woran du es erkennst: Ameisen laufen regelmäßig zwischen den Blattlausgruppen und dem Substrat hin und her. Manchmal sieht man sogar eine richtige Spur am Stamm entlang. Die Ameisen fressen nicht am Baum. Sie halten die Blattläuse wegen des Honigtaus und verteidigen die Kolonie aktiv gegen Marienkäfer und andere Feinde, die sie sonst kleiner halten würden.

Die Lösung: Ich kümmere mich immer auch um die Ameisen, nicht nur um die Blattläuse selbst. Solange die Ameisen die Kolonie schützen, müssen meine Behandlungen härter arbeiten, und natürliche Gegenspieler werden sofort wieder vertrieben. Ein klebriger Barriere-Ring am Stammfuß oder am Topfrand unterbricht den Weg meist zuverlässig, ohne dass man das Nest direkt behandeln muss. Die Klebefläche darf nicht direkt auf die Bonsairinde, besonders nicht bei jungen oder dünn behaarten Stämmen. Ich lege zuerst einen Streifen Klebeband oder Folie um den Stamm und trage die Barriere nur darauf auf. So lässt sie sich später sauber entfernen.

So beugst du vor

Die beste Vorsorge ist, frische Triebe regelmäßig anzusehen, solange sie noch weich sind. Genau dort sitzen Blattläuse am liebsten, und genau dort entdeckt man sie am frühesten. Während der Wachstumszeit gehe ich bei jedem Baum mindestens einmal pro Woche die neuesten Triebe durch, oben und unten, besonders nach einem starken Austrieb oder nach einem Rückschnitt. In Deutschland würde ich im späten Frühling und Frühsommer noch genauer hinschauen, weil dort viele Arten ihren Hauptschub haben und das Wetter oft lange genug mild bleibt, damit sich Kolonien rasch aufbauen. Auch mit Stickstoff bin ich bei diesen Schüben vorsichtiger. Weiches, schnelles Wachstum ist anfälliger, deshalb hilft eine gleichmäßigere Düngung gleich doppelt, für die Form und für die Widerstandskraft. Wenn ich Bäume frostfrei oder warm überwintert habe und sie früh austreiben, behandle ich diesen Austrieb wie Hochrisikogebiet. Er ist oft der erste im ganzen Bestand, der Blattläusen auffällt.

Häufige Fragen

Breiten sich Blattläuse auf andere Pflanzen aus?

Ja, sehr leicht. Wenn eine Kolonie zu dicht wird, bildet sie geflügelte Tiere, die sich absichtlich verteilen. Die gehen ohne Probleme auf den nächsten Baum oder auf andere Pflanzen in der Nähe. Wenn ich einen Befall finde, behandle ich ihn sofort und prüfe alles, was direkt daneben steht.

Sind Marienkäfer eine gute Kontrolle gegen Blattläuse?

Ja, als Teil der natürlichen Gegenwehr sind sie hilfreich, besonders draußen, wenn sie die Kolonie selbst finden können. Ich würde mich aber nicht nur auf sie verlassen, sobald der Befall schon deutlich da ist. Am besten wirken sie als laufende Hilfe bei kleinen Blattlauszahlen. Noch besser, wenn man nicht gleichzeitig so hart sprüht, dass man sie gleich mit erwischt.

Richten sich gekräuselte Blätter nach einem Blattlausbefall wieder auf?

Nein, leider nicht. Wenn ein Blatt während der Entwicklung von Blattläusen befallen war, bleibt die Verformung an diesem Blatt bestehen. Das Gute ist, dass das vor allem ein optisches Problem ist. Sobald die Kolonie weg ist, sollte der nächste Austrieb wieder normal kommen.

Können Blattläuse einen Bonsai töten?

Allein eher selten. Wirklich gefährlich wird es meist erst bei starkem, länger anhaltendem Befall über mehrere Austriebe hinweg. Das trifft eher junge Bäume oder solche, die schon durch Umtopfen oder einen Standortwechsel geschwächt sind. An einem gesunden, etablierten Bonsai sind Blattläuse vor allem lästig, nicht lebensbedrohlich.

Wie schnell kann eine Blattlauskolonie wachsen?

Schneller, als viele denken. Bei warmem Wachstum bringen Blattläuse lebende Junge zur Welt, ohne sich vorher paaren zu müssen. Aus wenigen Tieren an einer Triebspitze kann so innerhalb von ein bis zwei Wochen eine dichte Kolonie werden. Genau deshalb schaue ich lieber früh nach, statt abzuwarten.

Wie unterscheide ich Blattläuse von anderen Schädlingen an jungen Trieben, zum Beispiel Spinnmilben?

Blattläuse sieht man mit bloßem Auge. Sie sitzen in Gruppen und sind meist grün, schwarz oder braun. Spinnmilben sind winzig und fallen eher durch feine Sprenkelung auf den Blättern oder durch ganz feine Gespinste zwischen den Trieben auf, nicht durch klar erkennbare Insekten auf dem Stängel. Wenn ich echte Tiere am Trieb sitzen sehe, denke ich zuerst an Blattläuse. Wenn die Blätter stumpf und gesprenkelt wirken und kaum sichtbare Fäden da sind, schaue ich eher auf Milben.

Das könnte dir auch gefallen

Immer noch unsicher?

Schick uns ein Foto per WhatsApp und wir helfen dir bei der Diagnose.

Schreib uns per WhatsApp

Allgemeine Hinweise aus über 20 Jahren Praxis. Jeder Baum ist anders — im Zweifel frag uns.