Bonsaierde, die scheinbar nie abtrocknet
Wenn die Oberfläche deiner Bonsaierde noch zwei oder drei Tage nach dem Gießen feucht wirkt und das auch so bleibt, obwohl du an deinem Rhythmus nichts geändert hast, liegt das Problem fast nie an der Gießkanne. Meist sitzt es darunter. Ein Substrat, das nicht richtig abtrocknet, gehört zu den häufigsten Problemen im Topfkultivieren. Nur ist eine feuchte Oberfläche nach ein paar Tagen nicht automatisch schon ein Beweis. Kühle Witterung, Ruhephase, wenig Licht, hohe Luftfeuchtigkeit, Regen und auch die Topfgröße verlängern die Trocknungszeit ganz normal. Aus meiner Erfahrung ist es oft so, dass mir jemand sagt, die Erde trockne einfach nie ab, und das Gießen selbst ist dann gar nicht das eigentliche Thema. Meist steckt das Problem im Material im Topf, oder der Topf gibt das Wasser nicht wieder ab, sobald die Wurzeln genug bekommen haben. Bonsaisubstrat soll Feuchtigkeit halten, damit die Wurzeln zwischen den Wassergaben versorgt bleiben, und dann wieder locker genug werden, damit Luft an die Wurzeln kommt. Wenn der zweite Teil nicht funktioniert, bleibt das Wasser stehen. Dann bringt es wenig, nur an der Häufigkeit der Wassergaben zu schrauben. Wichtig ist mir dabei die Abgrenzung zur Wurzelfäule. Das sind verwandte Probleme, aber nicht dasselbe. Wurzeln brauchen Sauerstoff fast genauso sehr wie Wasser. Bleibt das Substrat gesättigt, wird die Luft aus den Zwischenräumen gedrückt. Wenn das lange genug so bleibt, kippt es in Richtung Fäulnis. Vorher sieht man aber meist schon das eigentliche Drainageproblem: Die Erde hellt nicht auf, sie bleibt schwer und dunkel. Genau in diesem Stadium ist die Reparatur noch relativ einfach und günstig. Wartet man, bis die Wurzeln schon geschädigt sind, wird es deutlich aufwendiger. Ich sehe das besonders oft bei Bäumen, die in irgendein vorhandenes Sackerl Erde gesetzt wurden, oder bei Exemplaren, die jahrelang im selben Topf stehen und bei denen das Substrat langsam zu feinem Schlamm zerfällt. In Deutschland und allgemein in Mitteleuropa zeigt sich das nach längeren Regenphasen sehr schnell, weil ein ohnehin langsamer Topf dann noch mehr Wasser abbekommt. Im Winter passiert es ebenfalls häufig, vor allem draußen in der Ruhephase oder drinnen bei wenig Licht und geringem Luftaustausch. Dann trocknet das Wasser nicht nur langsamer, es wird auch seltener gebraucht.

Wahrscheinliche Ursachen
Substrat ist zu fein oder zu organisch
Woran du es erkennst: Wenn du eine Handvoll von der Oberfläche nimmst und sie sich wie feuchter Kuchen zusammenhält, statt in einzelne Körnchen zu zerfallen, ist das ein klares Zeichen. Oft siehst du sehr feine, fast staubige Partikel zwischen den gröberen Bestandteilen. Schiebst du einen Essstäbchen oder einen Holzstab in den Topf, spürst du dann durchgehend gleichmäßigen Widerstand, statt das lockere, körnige Nachgeben, das ein offenes Gemisch haben sollte. Das ist typisch für Mischungen, die vor allem aus Blumenerde, Kompost oder Torf bestehen, nicht aus mineralischen Komponenten wie Akadama, Bims, Lava, gebranntem Ton oder grobem Splitt.
Die Lösung: Die eigentliche Lösung ist das Umtopfen in ein richtiges, mineralisch geprägtes Bonsaisubstrat. Das sollte aber zur richtigen Zeit für die jeweilige Baumart passieren, nicht an dem Tag, an dem dir das Problem auffällt. Nimm ein Gemisch aus körnigen, anorganischen Bestandteilen wie Akadama, Bims, Lava, gebranntem Ton oder Splitt, und siebe es vorher, damit kein Staub die Zwischenräume zusetzt. Beim Umtopfen solltest du außerdem so viel vom alten, verdichteten Ballen entfernen, wie der Baum in seinem Zustand verträgt. Alte Taschen aus feiner Erde halten sonst weiter Wasser fest, auch wenn der Rest schon gut aufgebaut ist.
Drainageöffnungen sind blockiert oder zu knapp bemessen
Woran du es erkennst: Nach dem Gießen bleibt Wasser sichtbar auf der Oberfläche stehen oder verschwindet deutlich langsamer als früher. Dreh den Topf um, wenn du kannst, und schau nach, ob die Löcher noch offen sind. Wurzeln wachsen über eine Saison oder zwei direkt in die Öffnungen hinein und verstopfen sie von innen. Defekte oder fehlende Abdeckgaze lässt feines Substrat von außen in die Löcher rutschen und dort eine Kruste bilden.
Die Lösung: Mach die Löcher mit einem dünnen Draht oder einem Stäbchen wieder frei und ersetze die Drainagegaze, wenn sie eingerissen, durchhängend oder ganz weg ist. Hat der Topf nur eine kleine Öffnung oder ist es ein Ziertopf, der eigentlich nie für Bonsai gedacht war, prüfe, ob die Drainagefläche überhaupt zur Topfgröße passt. Ein 30-cm-Topf braucht deutlich mehr Abfluss als ein kleiner Schalen-Topf. Wenn der Topf selbst die Grenze ist, lohnt es sich, den Baum beim nächsten Umtopfen in einen passenden Bonsaitopf zu setzen, statt dauerhaft gegen das Gefäß zu arbeiten.
Der Topf ist zu groß für die aktuelle Wurzelmasse
Woran du es erkennst: Der Baum wirkt fast verloren im Gefäß, und du siehst viel Erde weit außerhalb des Bereichs, den die Wurzeln tatsächlich erreicht haben. In so einem großen Substratvolumen trocknet nicht alles gleichmäßig. Die äußeren Zonen werden zuerst trocken, während der Bereich in Wurzelnähe viel länger nass bleibt. Genau dieser Unterschied wird im Verlauf der Saison meist noch größer. In kühleren, feuchteren Regionen wie weiten Teilen Deutschlands fällt das besonders auf, weil die Verdunstung ohnehin langsamer läuft.
Die Lösung: Dafür gibt es keinen echten Abkürzungsweg ohne Umtopfen, und das muss wieder zum richtigen Zeitpunkt für die Art passieren. Setz den Baum in einen Topf, der zur aktuellen Wurzelmasse passt, nicht in einen, den er erst noch ausfüllen soll. Bonsaipots sollen eng sitzen, nicht großzügig. Wenn das Umtopfen noch nicht dran ist, kannst du das Problem nur etwas abmildern. Gieße dann wirklich nach Bedarf und nicht nach Uhr. Prüfe die Feuchte an mehreren Stellen und in verschiedenen Tiefen. Lass keinen Untersetzer oder eine Schale darunter stehen, in der sich Wasser sammeln kann. Sorge für mehr Luftbewegung und Licht, wo das möglich ist, und schütze den Baum vor anhaltendem Starkregen, bis du ihn in ein besser passendes Gefäß setzen kannst.
So beugst du vor
Am günstigsten ist es natürlich, das Problem gar nicht erst entstehen zu lassen. Baue dein Substrat aus den eigentlichen mineralischen Bestandteilen auf, also Akadama, Bims, Lava und grobem Splitt, abgestimmt auf Art und Klima, statt einfach irgendeinen Sack Erde zu nehmen. Siebe den Staub vorher aus. Wähle den Topf passend zum Baum, nicht passend zu dem, was du dir später einmal an Wuchs erhoffst. Zu viel freier Raum um die Wurzeln sorgt fast immer dafür, dass die Mitte lange nass bleibt, obwohl die Ränder schon trocken sind. Und kontrolliere mindestens einmal im Jahr, ob die Drainagelöcher frei sind und die Gaze noch sitzt. Wurzeln und altes Substrat arbeiten sich still und leise dorthin, und man merkt es oft erst, wenn die Erde schon zu lange feucht bleibt.
Häufige Fragen
Kann ich das einfach lösen, indem ich weniger gieße?
Weniger zu gießen kann das Symptom eine Weile verdecken, aber es behebt die Ursache nicht. Oft untergießt man dann die Teile des Ballens, die am schnellsten trocknen, während die Mitte trotzdem nass bleibt. Das ist höchstens eine Übergangslösung, bis du zum richtigen Zeitpunkt umtopfen kannst. Wenn du dauerhaft weniger gießt, als Baum und Jahreszeit eigentlich verlangen, ist das meist ein Zeichen dafür, dass das Substrat erneuert werden muss.
Wie prüfe ich überhaupt, ob mein Bonsai ein Drainageproblem hat?
Gieße den Baum normal und schau dann nach etwa 5 bis 10 Minuten, noch einmal nach einer Stunde und dann am nächsten Tag nach. Das sind nur grobe Warnzeichen, keine festen Regeln. Der genaue Zeitpunkt hängt von Art, Jahreszeit, Topftiefe, Innen- oder Außenstandort, Luftfeuchtigkeit und der Korngröße des Substrats ab. Als grobe Orientierung gilt trotzdem: Ein gut drainierendes Substrat ist innerhalb einer Stunde sichtbar feucht, aber nicht glänzend nass, und am nächsten Tag deutlich heller. Bleibt Wasser deutlich länger als zehn Minuten auf der Oberfläche stehen, oder wirkt der Topf nach einem Tag noch schwer und das Substrat dunkel und gesättigt, obwohl die Bedingungen sonst normal sind, solltest du die Drainage als Ursache prüfen.
Woraus besteht eine gute Bonsaierde eigentlich?
Eine gute Mischung besteht aus körnigen, anorganischen Bestandteilen wie Akadama, Bims, Lava, gebranntem Ton oder Splitt, nicht aus normaler Blumenerde. Wichtig ist auch, dass sie gesiebt wird, damit keine Staubschicht die Zwischenräume zwischen den Körnern verstopft. Das genaue Verhältnis hängt von Art und Klima ab. Eine Kiefer will oft mehr frei drainierende Anteile wie Bims und Lava als etwa eine Azalee. Das Grundprinzip bleibt aber gleich: einzelne Partikel mit Luftzwischenräumen, keine verdichtete, erdige Paste.
Ist das dasselbe wie Wurzelfäule?
Nein, obwohl das eine oft zum anderen führt, wenn es zu lange anhält. Ein Drainageproblem ist erst einmal ein Zustand des Substrats. Das Wasser verlässt den Topf nicht so, wie es soll. Wurzelfäule ist die Folge für die Wurzeln, nachdem sie zu lange in diesem gesättigten, sauerstoffarmen Milieu standen. Dann findest du weiche, schwarze, oft übel riechende Wurzeln, nicht nur langsam trocknende Erde. Wer das Drainageproblem früh erkennt, sieht meistens gar keine echte Fäule entstehen.
Kann ich die Drainage verbessern, ohne gleich komplett umzutopfen?
Bis zu einem gewissen Grad ja. Eine grobere Deckschicht obenauf löst keinen verdichteten Wurzelballen darunter, aber du kannst die Drainagelöcher freimachen oder vergrößern, eine passende Gaze einsetzen und darauf achten, dass der Topf nicht flach auf einer Schale oder einem Untersetzer steht, in dem sich Wasser staut. Das ersetzt kein Umtopfen in besseres Substrat, wenn die Saison dafür passt, kann dir aber bei einem Baum, der noch nicht dran ist, etwas Zeit verschaffen.
Spielt der Topf eine Rolle oder nur die Erde?
Der Topf spielt mit hinein, aber er ist nicht die ganze Geschichte. Unglasierte Gefäße wie einfache Terrakotta atmen leicht durch das Material und trocknen etwas schneller als glasierte Töpfe. Das hilft bei einer grenzwertigen Mischung durchaus. Aber nicht jeder unglasierte Bonsaitopf verhält sich gleich. Hoch gebrannte Steinzeuggefäße sind oft fast so dicht wie glasierte Töpfe, auch wenn sie von außen anders wirken. Dazu kommt die Zahl und Größe der Drainagelöcher. Ein Topf mit zu wenigen oder zu kleinen Öffnungen lässt Wasser schlechter heraus. Wie stark das bremst, hängt aber auch von der Körnung des Substrats, der Form des Topfs und davon ab, wie viel Wurzelmasse den Raum بالفعل schon füllt. Man muss also Topf und Erde zusammen anschauen, nicht nur eines von beiden.
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